Culture eats Strategy for Breakfast - Interview mit Jörg Blunder

Am 29. und 30 Oktober findet in Frankfurt der Corporate Culture Jam statt und beschäftigt sich mit Corporate Purpose: Dank treffender Keynotes, ehrlichen Praxisbeispielen und interaktiven Jam-Sessions wird der Sinn gesucht und Unsinn entlarvt. Spannende Speaker der Konzerne Coca Cola, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom, Premium Cola, Flixbus u.v.m. werden auf der Bühne stehen. Venture Idea wird als Medienpartner und mit dem Good Job! Buch vor Ort.

Jörg Blunder ist Vice President Organizational Culture bei Coca-Cola European Partners und hält eine Praxis-Keynote zum Thema wie Organizational Culture als Wettbewerbsvorteil genutzt werden kann, indem alle MitarbeiterInnen an der Etablierung eines echten „Growth Mindsets“ beteiligt werden. Alexander Kornelsen konnte ihn bereits sprechen und ein paar Fragen zu seiner Session stellen.

Lieber Jörg, du bezeichnest dich selbst als Dirigent, der die Umsetzung einer kulturellen Reise innerhalb von Coca-Cola European Partners orchestriert. Aus deinem Linkedin Profil entnehme ich eine lange Karriere bei Coca-Cola, aber nicht als Musikant. Woher kommt diese Metapher?

Ich finde die Rolle einer Dirigentin oder, aus meiner Sicht, eines Dirigenten extrem faszinierend. Er muss sich auf alle einzelnen MusikerInnen und sogar Instrumente des Orchesters einlassen können, ohne diese selbst spielen zu können. Der Dirigent erzeugt ein gemeinsames Verständnis wie er ein Musikstück interpretieren möchte und schafft es, dieses Bild für alle transparent, verständlich und greifbar zu machen. Er baut Vertrauen auf und befähigt das Orchester permanent sich auf neue Situationen einzulassen und das Beste zu geben. Das Beste ist hier nicht die individuelle Leistung, sondern vielmehr das Zusammenspiel aller Instrumente. Diese Summe der Einzelteile ergibt dann etwas Besseres, Spannenderes und vor allem Einzigartiges. Als Dirigent ist es aber auch wichtig einen klaren Rahmen vorzugeben und immer aufmerksam zu sein, um gegebenenfalls einschreiten zu können. Im Zuge der Aufführung ist er präsent, überlässt es aber dem Orchester, das Einstudierte, scheinbar ohne großes Eingreifen, darzubieten. Es herrscht also sehr hohes Vertrauen. Den einzigen Punkt, den die Metapher eines Dirigenten der kulturellen Reise mit sich bringt und den ich etwas holprig empfinde, ist der des Applauses. Diesen scheint allein der Dirigent zu bekommen, wenn er das Pult betritt oder wenn das Stück beendet wird, wodurch er oftmals zu stark im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.

Dein “Orchester" besteht aus knapp 23.500 Menschen aus 13 westeuropäischen Ländern. Wie sorgst du dafür dass das alle Musizierenden auf deinen Takt hören?

Das Wichtigste für unsere kulturelle Reise war es von Anfang an eine kritische Menge an Begeisterten für das Thema Kultur innerhalb der von Coca-Cola European Partner zu identifizieren, sie zu befähigen und  ihre Rolle in der Organisation klar zu kommunizieren. Wir nennen sie Culture Masterminds und wir haben mehr als 200 von Ihnen. Dabei handelt es sich nicht um MitarbeiterInnen aus dem Bereich People&Culture, also unserer Personalabteilung. Vielmehr sind es MitarbeiterInnen aller Funktionen und aller Hierarchieebenen, die die kulturelle Reise, neben ihrer eigentlichen Tätigkeit, mit gestalten und navigieren. Somit erzeugten wir von Anfang an eine klarer Verankerung des Themas Kultur im Business und machten es nicht zu einem reinen HR Thema.

Diese KollegInnen sprechen die Sprache der MitarbeiterInnen, die täglich ihr Bestes geben um unsere Kunden und Kundinnen zu begeistern, unsere Produkte zu produzieren, zu distribuieren und sicher zu stellen, dass alle Abläufe rund laufen. Sie genießen eine weitaus höhere Akzeptanz und sind viel greifbarer als eine zentral gesteuerte Expertengruppe, die meist nur punktuell auftaucht.

Kultur ist vielfach Evolution, also der Ausbau von bestehenden Best Practises, das Teilen von gutem Bestehenden. Kultur ist aber auch Revolution, also das Loslösen von wichtig Gewonnenem, das nicht mehr dem Zeitgeist oder den Anforderungen des Business entspricht. Vielfalt spielt eine entscheidende Rolle.

Davon berichtest du sicher auf dem Corporate Culture Jam in Frankfurt. Dort hast du einen Vortrag mit dem Untertitel "Alle MitarbeiterInnen an der Etablierung eines echten „Growth Mindsets“ beteiligen”. Bitte erzähl mehr davon.

Genau. Wir haben einen Claim #AllesBeginntMitMir geschafften, mit dem sich diese Reise sehr gut beschreiben lässt. Es geht dabei um das Mindset auf allen Ebenen, um intensive Befähigung und um die Etablierung eines Umfeldes in denen MitarbeiterInnen hungrig sind, Fragen zu stellen und Ideen zu teilen. Mehr dazu dann aber in Frankfurt beim Culture Jam.

Wann und wie ist denn der Purpose „Great People, Great Beverages, Great Services“ entstanden und wie wird dieser im Unternehmen gelebt?

Coca-Cola European Partners ist mit etwas mehr als 3 Jahren, ein verhältnismäßig junges Unternehmen. Unsere kulturelle Reise hat gleichzeitig mit der Definition unserer Strategie und der geeigneten Organisation begonnen. Als Resultat einer Zusammenlegung von drei unabhängigen Coca-Cola Abfüllbetrieben in West Europa, war es für uns immer wichtig auf dem gut Funktionierenden aufzubauen und ein Umfeld zu entwickeln, in dem MitarbeiterInnen miteinander und voneinander lernen können und wollen. Das Statement „Great People, Great Services, Great Beverages UND Great Communities“, eine aggregierte Form unseres Purpose, haben wir einige Monate nach dem GoLive definiert. Dazu haben wir viele Stimmen und kreative Ideen von MitarbeiterInnen und relevanten Stakeholdern, also von Kunden und Kundinnen, Lieferanten und dem Aufsichtsrat eingeholt. In einer Working Session mit rund 100 Führungskräften aller Funktionen und Länder und dem Executive Leadership Team, haben wir dann das „Skelett“ unseres Purpose erarbeitet, der wie gesagt viel breiter ausgerichtet ist, wie zum Beispiel auch unser klares Commitment zu Nachhaltigkeit und zur Vielfalt. Fokus auf „Great People“, als erstes Element, signalisiert aber ganz klar wie stark der Mensch bei uns im Zentrum von all unserem Handeln steht. Wir haben uns für eine diese Art der Kommunikation intern und extern entschieden, weil sie leicht verständlich ist und eine Auseinandersetzung mit den eigentlichen Kern der Aussagen anregen sollte.

In einem anderen Interview stellst du exemplarisch die Auseinandersetzung mit der Frage “Was kann ich als Mitarbeiter oder als Mitarbeiterin der Finanzabteilung, machen, um höchste Customer Experience sicherzustellen?”. Wie könnte hier eine Antwort lauten?

Da gibt es viele Möglichkeiten das zu beantworten. Oft sind es die einfachen Dinge, wie die Sicherstellung einer korrekten Rechnungslegung, die sich positiv auf Customer Experience auswirken können. Viel wichtiger ist jedoch der Punkt, das alle Punkte, die wir in unseren Verhaltensweisen, „Ways of Working“, definiert haben, für alle Bereiche relevant sein müssen und können. Denn unser ultimatives Ziel ist es, erstklassige Customer Experience zu gewährleisten, jeden Tag in jedem Outlet. Das schaffen wir aber nur mit weltklasse Employee Experience.

Ein Zitat, das dir besonders gefällt, ist Peter Druckers “Culture eats Strategy for Breakfast”. Was glaubst du denn, sagt Victor Rufart - der CSO von Coca Cola European Partner ist - dazu?

Sehr gute Frage. Ich habe unlängst das Thema mit ihm diskutiert und seine Antwort lautete sinngemäß: „Strategie ohne Kultur ist nicht sinnvoll“. Was bringen die besten Pläne, wenn die Menschen nicht verstehen, warum etwas gemacht wird und was ihr Beitrag sein kann. Ihm war es aber auch wichtig zu betonen, dass oftmals „Kultur ohne Strategie umsonst ist“. Das was wir konkret machen, oder auch was wir nicht machen, braucht es eben auch um der Organisation eine Richtung vorzugeben und auf Kurs zu halten.

Vielen Dank für das Interview.

Venture Idea ist Medienpartner des Corporate Culture Jams. Wenn ihr Tobias und die anderen Speaker live erleben wollt, bekommt ihr mit dem Code Venture-980 die Karten für die Veranstaltung ermäßigt. Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Website vom Corporate Culture Jam.

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