"Umarme die Veränderung!" - Tobias Illig von DB im Interview

Am 29. und 30 Oktober findet in Frankfurt der Corporate Culture Jam statt und beschäftigt sich mit Corporate Purpose: Dank treffender Keynotes, ehrlichen Praxisbeispielen und interaktiven Jam-Sessions wird der Sinn gesucht und Unsinn entlarvt. Spannende Speaker der Konzerne Coca Cola, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom, Premium Cola, Flixbus u.v.m. werden auf der Bühne stehen. Venture Idea wird als Medienpartner vor Ort sein und durfte schon mit einem der Speaker sprechen.

Tobias Illig ist Head of Dept. Transformation aber eigentlich hat er viele Titel: Nettzwerker, Buddy Builder oder sogar Dr. Love. Alexander Kornelsen von Venture Idea durfte schon vorher mit ihm sprechen und freut sich bereits auf die Keynote.

Lieber Tobias, Du selbst bezeichnest Dich als “Buddy Builder”. Andere nennen Dich sogar Dr. Love. Wieso?

Den Dr. Love haben sich meine Kollegen ausgedacht, weil ich in Veränderungen ja immer den Menschen im Blick behalte, weil es sonst zu technokratisch und null nachhaltig wird. Den „buddy builder“ habe ich aus dem Team geklaut: wir haben uns mal zu „Lernpärchen“ – wer wollte – verabredet, um uns besser zu vernetzen. Das haben wir „Buddy Building“ genannt. Sehr frische Idee.

Du gestaltest Veränderungen bei der Deutschen Bahn mit. “Umarme die Veränderung” ist ein Satz, den du häufig verwendest. Wie sehr umarmen denn die Mitarbeiter der DB die Veränderung?

Wie in jedem anderen Unternehmen hast du early adopter, eine late majority, etc. Du kannst davon ausgehen, dass der Konzern eine extrem aktive Innovationscommunity über alle Geschäftsfelder hinweg hat (skydeck, mindbox, digital base, intrapreneurs, usw.). Natürlich sind die Jungs im Gleis und in den Werkstätten eine völlig andere Zielgruppe. Jeder will individuell abgeholt werden. Da brauchst Du völlig andere Strategien.

Wie viel Sinn macht Purpose bei dieser Entwicklung?

Die Bahn hat sich – gerne auch der Presse zu entnehmen – eine neue Strategie „Starke Schiene“ gegeben. Insgesamt ist sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, ihrer Rolle als umweltschonender Transporteur und Logistiker sehr bewusst und auch für die weitere Stärkung des europäischen Binnenmarktes ein nicht mehr weg zu denkender Player. Das macht absolut Sinn.

So lautet auch dein Vortrag auf dem Corporate Culture Jam im Frankfurt. Dort stellst Du Dich der Frage “Alle reden darüber, doch was bringt’s wirklich?”. Wie lautet denn die Antwort?

Naja, Vortrag ist mir zu einseitig. Ich „arbeite“ gerne interaktiv mit Menschen. Die Antwort? Kann ich doch hier nicht vorwegnehmen…  Die (!) eine Antwort gibt es sowieso nicht. Aber es gibt für jeden hoffentlich einen Sinn, für den er/sie morgens aufsteht.

In einem Kommentar zu einem impulse Artikel sagst du: "Die Leute hungern nach Wertschätzung und Anerkennung. Auch die Chefs. Wenn wir alle eine positive Einstellung haben, ist der Rest ein Klacks.” Wie kann so eine Wertschätzung aussehen? Und wieso gibt es diese nicht?

Wertschätzungskulturen gibt es natürlich. Oft gibt es diese aber auch nicht. Ich habe in meiner Karriere schon viele Unternehmen gesehen, deren Mitarbeiter und - unter vorgehaltener Hand - auch manchmal Führungskräfte zu mir gesagt habe, sie fühlen sich nicht gesehen. Dazu kommt, dass bei steigendem Druck auch der gute Ton untereinander immer schneller verloren geht. Ein Schwäbisches Sprichwort besagt: Nicht-geschimpft ist gelobt genug! Ich sehe das anders: wir sollten alle eine Vorbildrolle einnehmen und weitergeben, was wir selber bekommen wollen. Viel zu oft sitzen wir auf unserer eigenen kleinen Insel und warten darauf, bedient zu werden - eine deutsche Konsummentalität, die ich schon oft beobachten konnte. Eine positive Einstellung bekommen wir leider nicht "by nature", sie ist mit harter Arbeit verbunden und ganz viel Urvertrauen

Ganz nach Frithjof Bergmann, sagst du auch "Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen, weil er sie erfunden hat. Nicht umgekehrt!”. Angenommen Roboter könnten deine - äußerst menschliche - Arbeit übernehmen. Was würdest Du denn wirklich, wirklich gerne tun, wenn endlich die Zeit dafür hättest?

Mit Leuten spazieren gehen und über ihr Leben reden. Sie einladen an meinen Tisch und eine gute Zeit haben. Meine Kinder spielen umher und meine Frau sitzt neben mir. Reicht. Definition of done! (Dr. Love halt…)

Vielen Dank für das Interview.

Venture Idea ist Medienpartner des Corporate Culture Jams. Wenn ihr Tobias und die anderen Speaker live erleben wollt, bekommt ihr mit dem Code Venture-980 die Karten für die Veranstaltung ermäßigt. Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Website vom Corporate Culture Jam.

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