Adhoc-Studie „strategische Lösungen in der Corona-Krise“

Adhoc-Studie von Venture Idea zu strategischen Lösungen in der Corona-Krise:

Deutsche Unternehmen stellen sich auf langfristige Veränderungen ein, sehen dabei die Corona-Krise aber auch als Chance


(02. April 2020, Düsseldorf) Unternehmen in Deutschland stellen sich auf langfristige Veränderungen durch die aktuellen Herausforderungen in der Corona-Krise ein. Doch trotz der wahrgenommenen Disruption des bisherigen Wirtschaftssystem auf Basis einer globalisierten, konsumgetriebenen Leistungsgesellschaft sehen deutsche Unternehmen in Zukunft viele Chancen durch die Beschleunigung von Konnektivität, New Work und neuem Wissen. Diese gehen sie in der Mehrzahl aktiv an und setzen neben klassischer Kostenminimierung auch kurzfristig bereits auf neue Digitalisierungs-, Vertriebs- und Kundenmaßnahmen. Das zeigt eine nicht-repräsentative Adhoc-Studie der Strategieberatung Venture Idea.


„Die Welt nach der Krise wird nicht wie die vor der Krise sein. Unsere Studie zeigt, dass viele Unternehmen dies bereits antizipieren und aktiv die neue Zukunft mitgestalten wollen.“

Lucas Sauberschwarz, Geschäftsführer, Venture Idea


In der Adhoc-Studie "Reflexion statt Reflex: strategische Lösungen in der Corona-Krise" (zu den Ergebnissen) wurden zu Beginn der Corona-Krise im Zeitraum vom 16. - 30. März 2020 Erkenntnisse zum Umgang deutscher Unternehmen mit der Corona-Krise analysiert. Dazu verknüpfte die Strategieberatung Venture Idea Erkenntnisse einer Adhoc-Umfrage über mehr als 15 Branchen mit Sekundärforschung zur aktuellen und vergangenen Krisen und ergänzte diese um Tiefeninterviews mit Entscheidern und Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Dabei zeigt sich ein überwiegend positiver Umgang der Unternehmen mit den Veränderungen, die somit vorherrschenden Empfehlungen für aktive Strategieentwicklung in der Krise folgen.


Die Herausforderungen für Unternehmen sind immens. So sehen 65% der befragten Unternehmen eine veränderte Nachfrage als kurzfristiges Problem, welches Handlungsbedarf in der Kundenkommunikation (54%) und im Vertrieb (48%) nach sich zieht. Doch gibt es auch Hoffnung, denn die Versorgung scheint nicht in Gefahr zu sein. Die Unternehmen sehen erst langfristig eine mögliche Herausforderung auf der Angebotsseite (29%). Klar nachvollziehbar sind auch die großen Auswirkungen auf die Zusammenarbeit (40%), welche auch langfristig noch als relevant eingestuft werden (29%). Home-Office & Co könnten also zum Dauerbrenner werden.

Kurz- und langfristige Herausforderungen der Krise im Unternehmen
„Wir bewegen uns thematisch im Spannungsfeld von den kleinen Dingen (wie mache ich Homeoffice) bis zu den großen Szenarien, Utopien und Dystopien einer gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Neuordnung. Irgendwie dazwischen kommt die strategische Komponente der einzelnen Unternehmen.“

Marc Wagner, Managing Partner, Detecon


Grund für diese Herausforderungen ist nach Ansicht der befragten Unternehmen die durch die Coronakrise verursachte Disruption des bisherigen Wirtschaftssystems, dessen Pfeiler Globalisierung (37%), Konsum(verhalten) (30%) und (Leistungs-)gesellschaft (24%) nun als größte Risiken wahrgenommen werden. Interessanterweise sehen die befragten Unternehmen jedoch trotz des frühen Zeitpunkts in der Krise deutlich mehr Chancen als Risiken. Hierbei dominieren die (teilweise erzwungenen) Entwicklungen in Bezug auf Konnektivität (88%), New Work und Arbeitskultur (82%), digitale Technologien (82%) sowie neues Wissen und Lernen (78%), wie auch in den Tiefeninterviews immer wieder betont wurde.


„Aus meiner Sicht ergeben sich durch die Krise auch viele neue Chancen durch die rapide, erzwungene Digitalisierung von Arbeit, Prozessen und gesellschaftlichen Aufgaben im „fast forward“-Modus. Unternehmen wie die Deutsche Telekom sollten diese Chancen positiv nutzen.“

Thomas Weiler, VP Innovation & Technology, Deutsche Telekom

Chancen und Risiken der Krise


Die befragten Unternehmen sehen sich im Geschäftsmodell gut aufgestellt, um diese Chancen nutzen zu können, jedoch wird die Finanzsituation darüber entscheiden, ob dies gelingt. Denn passend zu der hoch bewerteten Nachfrageänderung stellen insbesondere Finanzierung (56%), Monetarisierung (37%) und die bisherigen Vertriebskanäle (41%) Probleme für viele Unternehmen im aktuellen Geschäftsmodell dar. Entsprechend halten Unternehmen kurzfristig ihr Geld beisammen. Dies zeigt sich in der kurzfristigen Priorisierung von Liquiditätssicherung (59%), Kosteneinsparung (57%) und schnellen Umsetzungszeiten (51%) in den strategischen Zielsetzungen der Unternehmen. Darunter leidet insbesondere die personelle Entwicklung, so verringern viele Unternehmen aktuell ihr Engagement in Bezug auf Recruiting und Employer Branding (33%) sowie ihre Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen (32%).

Kurz- und langfristige Ziele und Kriterien in Krisenzeiten

Auch langfristig bleibt die Liquiditätssicherung wichtig (56%), Unternehmen streben jedoch gleichzeitig Wachstum in Umsatz (56%) und Gewinn (47%) an, und wollen dafür insbesondere das Kundenerlebnis verbessern (48%). Entsprechend stehen sowohl kurz- als auch langfristig Digitalisierungsaktiväten (80% / 56%), Marketing-/Vertriebsmaßnahmen (76% / 60%) und neue Kundenerlebnisse (60% / 56%) an der Spitze neuer strategischer Handlungsfelder. Langfristig kommen hier weitere Wachstumsmotoren wie Innovationsaktivitäten (56%), Partnering-/Networking (56%) und Aus- und Weiterbildung für die Mitarbeiter (48%) hinzu.

Kurz- und langfristige strategische Handlungsfelder durch und aus der Krise

„Jetzt ist die Zeit der Unternehmer und nicht der Manager! Dabei muss die Buchhandlung um die Ecke jetzt genauso innovativ denken wie die Startups - und dabei haben keineswegs die Startups immer die besseren Karten.“

Uwe Kerkmann, Leiter Gruppe Außenwirtschaft, Europa, Ansiedlung am Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen



Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass viele Unternehmen trotz aller Widrigkeiten die Krise auch als Chance wahrnehmen und diese soweit es die finanziellen Möglichkeiten zulassen auch nutzen wollen. Dies ist ein positives Signal für Deutschland, welches die Politik mit geeigneten Maßnahmen unterstützen sollte.


Alle Ergebnisse der Studie, sowie weitere begleitende Inhalte finden Sie auf https://www.venture-idea.com/publication/adhoc-studie-strategien-in-der-corona-krise, oder per Nachfrage an info@venture-idea.com


LATEST POSTS